Kreisstadt Bärn

Beschreibung aus der Zeit um 1920 mit Ergänzungen späterer Jahre

Quelle: Heimatbuch Kreis Bärn von 1987


Die Stadt liegt in 570 m Seehöhe (Rathaus) auf einer Anhöhe, an der Staatsstraße Olmütz - Sternberg - Hof - Troppau, die sich gegen Osten in ein Tal bedeutend abdacht, in dem auch die Station Bärn-Stadt an der Kleinbahnstrecke Andersdorf -Bärn - Hof liegt. Diese Senkung durchfließen der Stollenbach, aus Brockersdorf kommend, und der Sommeraubach, hinter Neuwaltersdorf entspringend. Diese Bäche vereinigen sich in der Stadt und geben ihr Wasser in Siebenhöfen an die Fister (Feistritz), Bistritza, Wisternitzbach) ab, die bei Braunseifen ihren Ursprung hat und in Olmütz in die March fließt. An der Häusergrenze im Nordwesten erhebt sich 27 m über der Stadt der Kreuzberg mit gärtnerischen und Waldanlagen.

Das Volkszählungsergebnis vom Jahre 1921 ist folgendes: Zahl der Häuser 397. Diese sind durchwegs aus Stein gebaut und mit Schiefer oder Eternit gedeckt. Das ehemalige „Heimerldorf" ist heute Bärn vollständig einverleibt, doch besitzen noch 32 Häuser (ehemals 35, da 3 Brandschadenstellen nicht mehr verbaut wurden), die früheren Heimerldorfer Hausnummern, also nicht die Konskriptionsnummern der Stadt, und sind als solche auch im Hofer Grundbuch geführt. Zu Bärn gehört auch das Waldhotel „Gießhütte" am Fuße des Giesel. Wohnparteien waren 908 vorhanden. Von den 2981 (nach der Zählung vom 2.12.1930: 2973) Bewohnern gehören 1383 dem männlichen und 1598 dem weiblichen Geschlecht an.

Der Nationalität nach: 2859 deutsch, 48 tschechisch, 1 jüdisch, 1 andere, 72 staatsfremd.

Der Religion nach: 2904 röm.-kathol., 53 evangelisch, 1 tschechoslowakisch, 11 israelitisch, 7 andere und 5 konfessionslos.


Gemeindebesitz:

Das Ausmaß des Gemeindebesitzes ist:

Acker

837 ha 68 a 72 m2

Wiesen

374 ha 89 a 13 m2

Gärten

17 ha 40 a 74 m2

Hutweiden

41 ha 94 a 07 m2

Wald

169 ha 72 a 64 m2

Verbaute Flächen

20 ha 05 a 47 m2

Unproduktive und nicht bebaute Flächen

67 ha 34 a 04 m2

Insgesamt

1529 ha 04 a 81 m2


Das Klima ist sehr gesund, doch rauh. Die Schneezeit kann vom November bis April gerechnet werden. Zur Seltenheit gehören windstille Tage.

Der Boden: In den Niederungen lagert die wenige Dammerde auf schwerem Ton und Lehm, auf den Anhöhen aber die noch dürftigere und häufig mit kleinem Gestein vermengte Ackerkrume auf porösem oder festem Felsen. Die Äcker gehören in die Güteklassen 5-8, die Wiesen in die Güteklassen 3 - 6. Die Waldungen bestehen aus Fichten und Tannen.

Angebaut werden hauptsächlich: Korn, Gerste, Kartoffeln, Lein, Klee, Wicken, Hafer, etwas Weizen, Runkelrüben, Weißkohl (Kraut), Mischling als Futtermittel, weiße Futterrüben. Der Anbau erfolgt im April und Mai, die Ernte im August. Obstbau und Bienenzucht sind nicht erwähnenswert.

Im 16. Jahrhundert wurden hauptsächlich Korn, Hafer, Gerste, Rüben, etwas Hülsenfrüchte und Lein angebaut. Wichtig war vor allem anderen die Viehzucht. Abgesehen von den ausgedehnten Wiesen, Hutweiden, dem Grasreichtum der Holzschläge, wurden durch die Art des damaligen Anbaues jedes Jahr große Flächen für die Hutung frei. Es blieb nach der in jener Zeit üblichen Dreifelderwirtschaft immer ein Drittel des Bodens als Brache liegen, nach zweijährigem Anbau (Korn, Hafer) ruhte der Acker ein Jahr. So konnte ein großer Viehstand gehalten werden. Die Gemeinde stellte zur Wartung des Viehes einen eigenen Gemeindehirten, der wieder einen Gehilfen, „den kleinen Viehhirten", hatte, an und zahlte ihm eine für die damalige Zeit beträchtliche Summe. Zur Zeit des 30-jährigen Krieges bekam er den fünffachen Gehalt des Stadtschreibers, nämlich 40 Thaler. Der Gehilfe erhielt 20 Thaler.

Es ist dies begreiflich denn ihnen oblag die Sorge für den großen Teil des Eigentums der Bürger. Ihre Mühe und Verantwortung war in Kriegszeiten groß. Außerdem räumte ihnen die Stadt ein eigenes Häuschen als Wohnung ein.

Schon vor dem 12. Jahrhundert bauten die deutschen Ansiedler Braun- und Roteisenstein ab und verarbeiteten diese Bodenschätze. Ebenso ließen die Mönche des Klosters Hradisch bei Olmütz im Stadtwald Sandsteine ausheben und zu Mühlsteinen verarbeiten. Gegen Ende des 17. Jahrhundertes musste der Bergbau eingestellt werden. Heute werden keine besonderen Bodenschätze gehoben. Im Stadtwald ist nur mehr eine große Sandgrube, eine andere liegt in der Nähe am Fuße des Sonnenberges. Die Sandsteine werden als Baumaterialien verwendet, der mit Quarz vermengte Grünstein des Pflockenberges wird dort selbst in einem Schotterwerk zerkleinert und Bau- und Beschotterungszwecken zugeführt. Der Lehm aus der Grube in der Nähe des Schlachthauses wird im Ziegelwerk verarbeitet.

Die ganze Umgebung der Stadt ist hügelig und bergig. Die wichtigsten Bodenerhebungen sind folgende: Im Norden der Mühlberg, der bewaldete Pflockenberg, der Giesel (656 m), der Herrnhübel (694m), der Katerberg (633 m), der Kreuzberg ( 597 m), im Osten der Kalkberg und der Scheibenberg als Naturpark, der Gerberberg, der Lausberg, im Süden der Galgenberg (540 m), der Taubenberg (593 m), im Westen der Steinberg und die Stubenhau.

Von den Bächen sind zu nennen: In den aus Brockersdorf (Küchenwald) kommen den Stollenbach (so benannt, weil aus den verfallenen Bergstollen in Brockersdorf der Hauptzufluß erfolgt, der das Überwasser der i. J. 1822 errichteten Bärner Wasserleitung darstellt) fließt am Fuße des Kalkberges der Kirchgrundbach, aus denen die Herrnmühle das Wasser für den Mühlgraben ableitet. Der wasserreichere Sommeraubach entspringt hinter Neuwaltersdorf, fließt entlang der Sterngasse, (woselbst die Herrnmühle wieder einen Teil des Wassers für Mahlzwecke entnimmt), der Franzensgasse, Wassergasse und des Dammes und mündet unterhalb der Hüttenmühle (Bergermühle) in den Stollenbach. Indessen hat sich im Bereiche der ehemaligen Fabrik Moritz Hansel & Söhne der Stollenbach mit dem Wasser der Herrenmühle vereinigt.

Flurbezeichnungen hatten die Bärner um das Jahr 1834 folgende: Stollen, Obergiesel, Mittlerer Giesel, Ober- und Niedertrieb, Sommerau, Steinbruch, Pfaffenberg, Schäferwinkel, am Plocken-und Mühlberg.; auf den Stöcken beim Weiberwald, Herrnhübel, unten und auf dem hohlen Graben, Tatzler, Glatzberg, hinter der unteren Kirche, Galgenberg, Vogtei, Lausberg, Erbe, hinter dem Kreuzberg, Bienenwiesen; dazu kämen noch: „auf dem Sonekel", spitziger Stein, Stadtwald, Sandriegel, Hauwald, Küchenwald, Schwarzwald, weißen Stein, Stubengrund (Jungfernfleckel), Bärloch. Der Erinnerung entschwunden sind: „am Haberfeld", „am Stüblein", „aufm Vogelschnur", „aufm Steinriegel".


An größeren Unternehmungen

hat die Stadt heute aufzuweisen:

Die Granitolwerke A.-G. Kunstleder- und Gummiwarenerzeugung mit 120 Angestellten, gegründet 1895 als Österr. Pluviusin-A.-G.

Die mechanische Leinen- und Baumwollwarenfabrik Riker & Comp., gegründet 1819- derzeit mit 180 bis 200 Arbeitern, Alleininhaber Rud. Thanel seit 1918.

Die Ajourfabrik und Chenilleweberei G. Marburg & Söhne, gegr. als Zweigfabriksunternehmen der Freudenthaler Fabrik 1924 in Bärn, mit 100 bis 120 Arbeitern.

Die Modetücherfabrik Gebrüder Pietsch, gegründet 1898, beschäftigt derzeit 15 Arbeiter (1924 noch die doppelte Anzahl).

Die Chenille-Cachenez- und Schafwollwarenweberei der Gebr. Zimmer aus Wien, gegründet 1862, beschäftigt derzeit 13 Arbeiter.

Die Flachsverarbeitungs- & Verwertungsgenossenschaft mit Röstanstalt, gegründet August 1919, beschäftigt 10 bis 12 Arbeiter.

Die Buchdruckerei „Graphische Anstalt Emil Hykel", gegründet 1910, mit 10 Angestellten.

Die Feigenkaffee-Erzeugung des Theodor Hufnagel sen., gegr. 1882.

Die Ziegelei, gegr. 1914, das Schotterwerk am Pflockenberg, gegr. 1920, die Zementwarenerzeugung, gegr. 1921, 3 Webwarenerzeugungen, 3 Mehlmühlen, 3 Sägewerke und die Holzindustrie des Franz Gebauer, gegr. 1919.

Bärn hat einen Baumeister, einen Maurermeister und zwei Brunnenmeister, 3 Konditoreien, 12 Kaufleute, 5 Greisler, 10 Schnittwarenhändler, eine Bekleidungsfabrikniederlage, 120 Gewerbetreibende, 49 Landwirte, 21 Kleinlandwirte, 4 Hotels und 12 Gastwirtschaften.


Wohlfahrtseinrichtungen

Die Wasserleitung besteht seit 21. 9. 1822. Die Speisung erfolgt aus dem Segen-Gottes-Stollen (einem der Stollen des ehemaligen Eisenbergwerkes am Riede Giesel auf Brockersdorfer Grunde). Die Stadt besitzt jedoch noch keine Hausanschlüsse, deren Bau aber für die nächste Zeit vorgesehen ist. Das Wasser selbst ist von ausgezeichneter Qualität.

Die elektrische Lichtanlage mit der Überlandsleitung aus Sternberg seit 2 Dezember 1913.

Das Armenhaus mit der Armenversorgung.

Die städtische Leichenbestattungsanstalt „Pietät" seit l, 9. 1908 (städtisch seit 1.1.1925).

Die Mutterberatungstelle seit Oktober 1913.

Das öffentliche Krankenhaus, erbaut 1866/67, benützt seit 24. September 1867. Es besitzt heute 82 Betten (Notbelag 110 Betten).

In Bärn sind 4 Ärzte, u. zw. 1 Staatsarzt (seit l. 7. 1911), ein Distriktarzt, zwei Krankenhausärzte (die Sekundararztstelle ist seit 6. Okt. 1928 vorübergehend unbesetzt). Erster diplom. Mediziner seit 1892, vor dem Wundärzte.

Staatstierarzt. Erster diplom. Tierarzt seit 1885).

Zahntechniker seit 1900.

Apotheke seit 1912.

Drogerie wieder seit 4. 10. 1926. Die Stadt hatte bereits vor dem Kriege eine Drogerie.


Bildungspflege.

Schulen: Die beiden fünfklassigen Volksschulen (nach Geschlechtern getrennt) wurden mit 1. März 1925 in zwei je dreiklassige umgewandelt. Die Knabenvolksschule hat seit 1.11. 1928 eine Parallelklasse. Die Knabenvolksschule zählt 1930/31 127 und die Mädchenvolksschule 106 Kinder. Die dreiklassige Knabenbürgerschule zählt infolge des Geburtenrückganges 70 Schüler, die dreiklassige Mädchenbürgerschule 72 Schülerinnen. Mit 1. September 1930 erfolgte die Zusammenlegung der beiden dritten Bürgerschulklassen zu einer gemischten Klasse. Das neue Schulgebäude, welches einen imposanten Eindruck macht, wurde am 1. Okt. 1899 eingeweiht und mit einem Kostenaufwand von über 100.000 fl. errichtet.

Die am 1.10.1889 errichtete allgemeine gewerbliche Fortbildungsschule benützt diese Räumlichkeiten und besitzt 2 Klassen mit 62 Schülern und Schülerinnen. Die landwirtschaftliche Fortbildungsschule, errichtet am 10. 8. 1923, ist ebenfalls zweiklassig; doch wird wegen Schülermangels seit 1929/30 bloß eine Klasse geführt.

Der deutsche Kindergarten besteht seit l. Mai 1899 und zählt derzeit 44 Kinder. Am l. 9.1922 errichtete das Schulministerium die einklassige tschechische Minderheitsschule mit 14 Schülern. In den nachfolgenden Jahren hielt sich die Zahl der Kinder mit über 20. Im Schuljahre 1930/31 sind 30 Schüler eingeschrieben. Der tschechische Minderheitskindergarten wurde am l. Mai 1929 mit 7 Kindern eröffnet. Er besitzt in der Olmützerstraße Nr. 17 ein angekauftes Kleinhaus. 1930/31 sind 13 Kinder eingeschrieben.

Der Ortsbildungsausschuss entfaltet auf Grund des Volksbildungsgesetzes Nr. 67 d. S. d. G. u. V. vom Jahre 1919 seit Herbst 1923 seine Bildungstätigkeit durch Vorträge, Kurse, Konzerte, Filme, Heimatabende u. s. w. Er unterhält seit 1925 ein öffentliches Lesezimmer.

Die 1891 gegründete Volksbücherei der Männerortsgruppe des Deutschen Nordmährerbundes zählt 4412 Bände, die 1923 in's Leben gerufene Gemeindebücherei hat 434 Bände. Diese beiden Büchereien stehen seit 1923 in gemeinsamer Verwaltung. Die Zahl der Leser beträgt 248, die der Entlehnungen 8680 im Jahre 1930. Die Stadtgemeinde leistete für die Gemeindebücherei eine Jahressubvention von 50 h per Kopf, ab l. l. 1930 eine solche von 75 h.

Die Errichtung des Stadtmuseums fand am l. März 1925, die Eröffnung am 24. Juli 1926 statt. Mit der Errichtung des Stadtarchives wurde am 26. Juli 1930 begonnen.

Die Stadt besitzt seit 28. Juli 1918 ein städtisches Kino, das unter der Firmenbezeichnung „Bärner Lichtspiele" geführt wird.

Radioempfangsapparate 72, der erste seit Herbst 1925.


Die 58 Vereine der Stadt Bärn sind:

(Geordnet nachdem nebenstehenden Gründungsjahr.)

Bergbruderschaft - 1628;

Männergesangsverein - 1862;

Leichenverein Bärn - 1869;

Freiwillige Feuerwehr - 1872;

Kreuzbergverschönerungsverein - 1883;

Lehrerverein Bärn - 1885;

Männerortsgruppe des Bundes der Deutschen - 1887;

Gabelsberger Stenographenverein - 1889;

Musikverein Bärn (früher Bärner Schrammeln) - 1892;

Volkskindergartenverein -1895;

Geschworenenverein -1899;

Verein Arbeiterheim - 1900;

St. Theresienverein -1901;

Deutscher Turnverein - 1901;

Bezirksverband des Bundes der Deutschen - 1902;

Frauen- und Mädchenortsgruppe des B. d. Deutschen - 1902;

Ortsgruppe Bärn und Umgebung des allgem. Industrieangestelltenverbandes Reichenberg - 1903;

Katholischer Volksverein - 1909;

Deutsches Vereinshaus - 1910;

Deutscher Handwerkerbund in Budweis, Ortsgruppe Bärn - 1910;

Verein Bürgerschule" im Schulbezirke Bärn - 1912;

Ortsgr. d. deutschen Gewerbeunterstützungsvereins „Selbsthilfe" für Mähren - 1912;

Unterstützungsverein gewesener Soldaten - 1920;

Ortsgr. d. Bundes der Kriegsverletzten für Böhmen, Mähren und Schlesien - 1920;

Ortsgr. des Werkmeister- und Industriebeamtenvereines für Bärn - 1920;

Kleintierzuchtverein für Bärn und Umgebung - 1920;

Verein der Hauseigentümer - 1920;

Ortsgruppe Bärn des Verbandes der Eisenbahner - 1920;

Ortsgruppe Bärn des Verbandes christlich. Textilarbeiter - 1920;

Ortsgruppe des Deutschen Kulturverbandes - 1920;

Ortsgruppe Bärn und Umgebung der Union der Textilarbeiter für das tschechoslow. Staatsgebiet in Reichenberg - 1920;

Land- und forstwirtschaftl. Verein für Bärn und Umgebung - 1921;

Ortsgr. des christl.-deutschen Turnvereins „Nordgau" für Mähren-Schlesien - 1921;

Ortsgruppe des Gewerkschaftsverbandes deutscher Arbeiter - 1922;

Mistni odbor Nar. Jednoty pro vychodni Moravu, Beroun a okoli v Mor. Beroune - 1922;

Gau Olmütz u. Umg. des Sängerbundes der Sudetendeutschen - 1923;

Krankenunterstützungsverein - 1923;

Arbeiter-Turnverein f. b. G. in Bärn - 1923;

Bezirksverein Bärn der deutschen Ärzte - 1923;

Verein „Selbsthilfe" für Brandschäden - 1923;

Gewerkschaft deutscher Angestellter der Selbstverwaltungskörper, - 1924;

Gauverband Nordmährens d. deutschen Landwirte Mährens in Bärn - 1925;

Ortsgruppe Bärn des Sozialdemokr. Jugendverbandes - 1926;

Fischereiverein für Bärn und Umgebung - 1927;

Arbeiterverein Kinderfreunde f. d. tschechosl. Republik in Bärn - 1927;

Bezirksverband des Deutschen Kulturverbandes 1927;

Bienenzüchterzweigverein Bärn und Umgebung - 1928;

Ortsgruppe des Verbandes der öffentlich Angestellten - 1928;

Ortsgruppe der Masarykliga für Tuberkulose - 1928;

Arbeiter-Radfahrerverein „Freiheit" Bärn - 1928;

Ortsgruppe des Verbandes der „Gewerkschaft der Postler" - 1928;

170. Zweigverein für Bärn des Verbandes deutscher Jäger St. Hubertus - 1929;

Klub der Naturfreunde - 1903; als Verein genehmigt 1929;

Zweigverein des mähr.-schles. Sudetengebirgsvereines - 1929;

Arbeiterfürsorge Bärn - 1929;

Ortsgruppe Bärn u. Umgeb. des nationalsozial. Jugendverbandes - 1930;

XIX. Gau Nordmähren Sitze in Bärn d. Verbandes der Jäger St. Hubertus - 1930;

Ortsgruppe des Verbandes „Volkssport" - 1930;


An Genossenschaften befinden sich in der Gemeinde:

A. Gruppe der gewerblichen Genossenschaften:

a.) Die Weberzunft, welche aus der alten Zeit der Zünfte her besteht und im Jahre 1583 gegründet worden ist, wurde im Jahre 1883 in die Webergenossenschaft umgebildet.

b.) Die Reihengenossenschaft (offiziell „Genossenschaft der freien, handwerksmäßigen und konzessionierten Gewerbe") wurde im Jahre 1883 gegründet und erstreckt ihren Wirkungskreis auf Bärn, Brockersdorf, Neuwaltersdorf, Neudörfel und die Gemeinden Andersdorf und Siebenhöfen des politischen Bezirks Sternberg, welche Einteilung noch auf die Zeit zurückzuführen ist, als Bärn zum politischen Bezirk Sternberg gehört hat.

c.) Die Genossenschaft der Müller wurde im Jahre 1914 gegründet und erstreckt sich auf den ganzen politischen Bezirk Bärn.

d.) Der Gastwirtegenossenschaft (1911) gehören sämtliche Gastwirte des Gerichtsbezirkes Hof an. Der Sitz wechselt und befindet sich derzeit in Hof.

e.) Das Handelsgremium für Bärn, Bautsch, Hof und Umgebung (1914), vereinigt sämtliche Kaufleute, Gemischtwarenhändler und Greisler dieser Städte und ihrer Umgebung. Der Sitz befindet sich jeweils dort, wo der Obmann wohnt und es wechselt alle drei Jahre die Wahlperiode.

f.) Der Bezirksverband der gewerblichen Genossenschaften (1910) hat seinen Sitz abwechselnd in einer der vier Städte des Bezirkes.

B. Gruppe der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften:

a.) Die Elektrizitätsgenossenschaft, (1912). Im Jahre 1922 wurde die frühere Genossenschaft „Elektrizitätswerk für Bärn und Umgebung" aufgelöst und gleichzeitig die heute bestehende Genossenschaft gegründet, welcher sämtliche Konsumenten als Mitglieder angehören (rund 500). Die Bestrebungen ein eigenes Werk zu bauen, konnten bis nun nicht verwirklicht werden.

b.) Die gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft wurde am 25. l. 1920 gegründet, um auf Grund des Bauförderungsgesetzes billige Wohnhäuser zu erbauen. Es gelang der Genossenschaft 5 Miethäuser und ein Einzeiwohnhaus mit staatlicher Beihilfe zu erbauen.

c.) Die Bau- und Heimstättengenossenschaft wurde im Jahre 1924 in's Leben gerufen, um das Deutsche Haus mit einem größeren Saale (außer dem Saale im Katholischen Vereinshause gab es in Bärn keinen größeren Saal) zu erbauen und hat diese Aufgabe wohl erfüllt, jedoch mußte die Genossenschaft im Jahre 1928 wegen der bedeutenden Mehrkosten, welche der Bau verursachte, liquidieren. Damit ist auch das Schicksal des Deutschen Vereinshauses vorläufig in Frage gestellt, da bis zum heutigen Tage über die Nachfolge im Eigentume keine definitive Lösung gefunden ist.

d.) Die Flachsverarbeitungs- und Verwertungsgenossenschaft wurde im August des Jahres 1919 ins Leben gerufen und hatte die bedeutsame Aufgabe, den Flachsbau in den Gemeinden des Bärner, Römerstädter und Stern berger Bezirkes zu fördern. Sie konnte ihrer Aufgabe nicht voll gerecht werden, da seit Jahren ein Verfall der Flachspreise durch den Umstand eingetreten ist, daß Leinenwaren weniger gesucht werden und immer mehr und mehr Baumwolle, Kunstseide und Seidenstoffe sehr mit Unrecht bevorzugt werden. Der Stolz der Hausfrau über die gefüllte Truhe von Leinenwäsche ist dahin geschwunden. Die Genossenschaft hat bei ihrer Gründung das Fabrikgebäude von den „Gebrüdern Rücker" aufgekauft, umgebaut und arbeitet auch bis heute weiter.

e.) Das Lagerhaus Bärn der Bezugs- & Verwertungszentrale (Eigentum des landwirtschaftlichen Zentralverbandes in Brunn), ist eine Schöpfung der Landwirtschaft und hat die Aufgabe, die angeschlossenen Landwirte mit Dungmitteln, Kalk, Kohle und verschiedenen landwirtschaftlichen Artikeln mit Auschaltung des Zwischenhandels zu versorgen und die Produkte der Landwirtschaft zur Verwertung käuflich zu übernehmen und wurde im Jahre 1930 durch Umbildung der bestandenen Magazinsgesellschaft gegründet.


An Geldinstituten:

Die städtische Sparkassa (1872), der Bärner Spar- und Vorschussverein (1872), die Deutsche Gewerbekassa (1914).


Ämter

Bezirksbehörde und Steueradministration, beide mit Wirksamkeit vom 1. 10. 1909, Bezirksgendarmeriekommando (1. 10. 1909), Gendarmerieposten (1. 3. 1875), zur Beaufsichtigung zugeteilt sind die Gemeinden Altliebe, Brockersdorf, Neudörfel und Neuwaltersdorf, Bezirks-Krankenversicherungsanstalt (1. 7. 1922), Post-, Telegraph- und Telephonamt. Die Postexpedition wurde 1841, der Telegraph 1867 errichtet. Telephonanschlüsse sind 21.

Andere öffentliche Einrichtungen

Kanzleien: Rechtsreferat des Gauverbandes deutscher Lehrervereine Nordmährens (8. 6. 1921), Kanzlei der Gauleitung Bärn der Organisation deutscher Landwirte Mährens (1921, Troppauerstraße 8), Auskunftei beh. konz. Realitäten-, Geschäftsvermittlungs-, sowie Versicherungsbüro (1930, Ringplatz 16), Gewerbesekretariat (1930, Ringplatz 12), Kanzlei der Elektrizitätsgenossenschaft (Olmützerstraße 14).


Verkehr

Der Bahnbau Olmütz - Bärn-Troppau erfolgte 1870/72. Der erste Zug traf auf der Station Andersdorf am l. Juli 1872 um 10 Uhr vorm. ein. Die Eröffnung der Kleinbahn Andersdorf - Bärn - Hof fand am 31. Dezember 1898 statt.

Eine Autobusverbindung seit 29. 7. 1928 stellt regelmäßig 4 mal täglich den Verkehr zwischen Bautsch - Bärn und Station Andersdorf her. Ab 24. 7. 1930 verkehrt ein Autobus von Bautsch über Hof nach Bärn und zurück einmal täglich, seit August 1930 fährt 3 mal täglich ein Autobus von Sternberg nach Andersdorf (bzw. Bärn) und zurück.

Mietautos gibt es 4, Lastautobusse 2 für Spediteurzwecke.

Privatautos sind 6 vorhanden. Die Anschaffung des ersten Personenkraftwagens erfolgte 1897. (Erstes Auto Herr Szigeti von Szigetvar).

Motorräder sind derzeit 8 vorhanden.

Gastwirtschaften 12.

Der „Gasthof zum Schwarzen Bären" war bereits vor dem Jahre 1600 aus Stein gebaut. (Ebenso der „Gasthof zum Schwarzen Adler").

Es werden 4 Jahrmärkte abgehalten und zwar immer am ersten Montag nach Pauli Bekehrung, nach Cantate, nach Anna und nach Leopold.

Zu den Erholungsanlagen im Stadtgebiet zählen der Kreuzberg mit seinen gärtnerischen Anlagen und der Scheibenberg als Naturpark.

 

Ausflüge: in die Gießhütte (Stadtwald 1/2 Stunde);

auf den Sonnenberg (Fürst Liechtenstein'sche Forste, der höchsten Erhebung des niederen Gesenkes mit 798 Meter Höhe - l 1/2 Stunde);

zum Fürst Liechtenstein'schen Jagdschlößchen in Neuwaltersdorf (l 1/4 Stunde);

zum Katerberg (1/2 Stunde);

zum Schubertbrunnen (1 Stunde);

zum Andersdorfer Sauerbrunnen (1/4 Stunde);

zum Stubengrund bei Neudörfel (3/4 Stunden);

über Neudörfel zum Schwarzen Kreuz nach Domstadtl;

über Siebenhöfen im Tale nach Domstadtl (l 1/2 Stunden);

über Siebenhöfen über die Kleinerb nach Domstadtl (l 1/2 Stunden);

auf den Rautenberg (3 Stunden);

nach Dittersdorf (1 1/4 Stunde);

zur Goldenen Linde auf dem Roten Berg (2 1/2 Stunden).


Denkmäler:

Das Hans Kudlich-Denkmal, errichtet am 6. 7. 1924 an Stelle des Kaiser Josef-Denkmales, das über behördlichen Auftrag am 16. 7. 1923 abgetragen wurde.

Das Kriegerdenkmal vor der Schule, errichtet 1913, zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig, das nach dem Weltkriege 1923 in ein Gefallenendenkmal umgewandelt wurde.

Ein Theodor Körner-Gedenkstein in der Kreuzberganlage seit 1913 und eine Gedenkplatte am Hause des Ringplatzes Nr. 22 (C. Nr. 6) zum Andenken an die Nächtigung des großen Feldmarschalls Gideon Ernst Freiherr von Laudon nach der Schlacht bei Domstadtl am 30. 6. 1758.

Die schöne Marienbildsäule am Stadtplatz wurde 1760 errichtet.


Kirchen

Mit der Erbauung der Pfarrkirche (zu Maria Himmelfahrt) durch die Protestanten wurde im Jahre 1606 begonnen, am 22. Mai 1607 der Grundstein gelegt u. am 28. Juli 1610 der Turmknopf aufgesetzt. 1706 wurde der erste Hochaltar aufgestellt; der jetzige aus Stein gebaute steht seit 1838. Die heutige Orgel wurde 1823 vom Orgelbauer Harbig aus Brunn aufgestellt, 1848 vom Bärner Baumeister Ernest Herold der Kirchturm in heutiger Form gebaut.

Auf dem Hausberg steht die Hausbergkirche (zur Erhöhung des heil. Kreuzes), die zwischen 1520 und 1530, als sich die protestantische Lehre durch Unterstützung des damaligen Grundherrn und besonders später durch Karl Herzog von Münsterberg so ausgebreitet hatte, daß ihre Prediger auch die Pfarre an sich genommen hatten, von den ihrem Glauben treu gebliebenen Katholiken, unfern von den damaligen Eisenhämmern, aus Holz, zu Ehren des heil. Leonhart erbaut. 1570 kam sie in den Besitz der Protestanten und erst 1631 wieder in den der Katholiken. Als sie 1757 sehr schadhaft geworden war, erfolgte aus Kosten von Wohltätern ein Neubau aus Stein. Sie erfreut sich ihres hohen Alters wegen großer Verehrung, hat 3 Altäre, eine Kanzel und seit 1878 eine Orgel.

Der Turm wurde erst 1845 in seiner heutigen Gestalt hergestellt. Als Friedhof wurde bis zum Ende des 17. Jahrhunderts der Grund um die Hausbergkirche benützt. Die Erweiterung des Friedhofes hinter der Pfarrkirche über die Sauerdornhecke hinaus erfolgte 1868.

1750 wurde an der Ostseite der Pfarrkirche ein Ölberg errichtet, deren aus Holz geschnitzte Figuren vom Bärner Maler und Bildschnitzer Joseph Kristen stammen. Das heutige Ölbergbild malte im August 1926 der Kirchenmaler Konrad Aßmann aus Troppau. Aus dieser Zeit stammt die Schutzverglasung.

1752 wurde am Kreuzberg die Kapelle, geweiht der Mutter Gottes, erbaut, 1751 auf der nordwestlichen Seite ein Kreuzweg angelegt, 1845 dieser auf die Ostseite verlegt und mit 14 gemauerten Kapellen geschmückt.

Nach Bärn sind eingepfarrt: Andersdorf, Siebenhöfen, Brockersdorf, Neudörfel und Altliebe.